Dorthin gehen, wohin sich andere nicht trauen

Dorthin gehen, wohin sich andere nicht trauen: Tschechische Firmen beseitigen Kriegsschäden und tragen Stühle zu Fuß   

Forbes.cz, Filip Vokoun, 13. 5. 2026

Sie glauben, Tschechien sei im Ausland nur für Škoda und Baťa bekannt? Wer am anderen Ende der Welt nachfragt, hört womöglich ganz andere Namen – die von Unternehmen, die dort Leben retten, Energie liefern und Katastrophen bewältigen, an die sich andere nicht heranwagen.

Eines dieser Unternehmen ist Dekonta aus Dřetovice in Mittelböhmen. In dem Dorf mit fünfhundert Einwohnern sitzt eine Firma, die bei der Dekontaminierung kriegsverseuchter Ölfelder in Kuwait hilft und in Libyen gefährliche Abfälle beseitigt hat, die beim Zerfall von Senfgas entstanden waren.

Mit ihrer Expertise war sie außerdem bereits in Georgien, Aserbaidschan und Usbekistan im Einsatz sowie auf ehemaligen Luftwaffenstützpunkten in Vietnam. Diese waren während des Krieges stark mit dem amerikanischen Herbizid Agent Orange kontaminiert worden, und Dekonta machte sich dorthin auf, um die Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung und die Umweltschäden zu verringern.

Ländern mit schlechter Bodenqualität bietet das Unternehmen nicht nur die eigentliche Sanierung, sondern auch die Erkundung des Standorts einschließlich Probenahme, die Erstellung von Risikobewertungen, Machbarkeitsstudien für die künftige Rekultivierung der Flächen sowie den Abtransport und die Entsorgung der Giftstoffe.

Ihre Geschichte ist dabei nur eine von vielen tschechischen Unternehmensleistungen, die das Leben der Menschen im Ausland zum Besseren verändern. Dazu gehört auch der Möbelhersteller Alba CR aus Škvorec bei Prag, dessen Produkte Menschen in Angola, Trinidad und Georgien nutzen.

Im erstgenannten Land half das Unternehmen gemeinsam mit einem Partner beim Aufbau eines völlig neuen Krankenhauses. Zunächst schickte es Stuhlmuster, damit das Team vor Ort die Modelle auswählen konnte, die seinen Bedürfnissen am besten entsprachen. Die Wahl fiel vor allem auf Wartebänke für die Flure und Laborstühle.

„Der gesamte Auftrag war vor allem logistisch anspruchsvoll. Die zentrale Aufgabe bestand darin, eine möglichst effiziente Verpackung zu entwerfen, um das Volumen der Sendung zu minimieren und die Transportkosten in einem vernünftigen Rahmen zu halten“, sagt Sabina den Brinker, Geschäftsführerin von Alba CR.

Davon weiß man auch bei MZ Liberec ein Lied zu singen. Das Unternehmen liefert Produkte für die Notfallmedizin in mehr als achtzig Länder der Welt – etwa nach Indien, Vietnam, Laos, auf die Philippinen, nach Trinidad und Tobago, Äthiopien, Sambia oder Gabun.

Dorthin liefert es vor allem Deckenversorgungseinheiten für Operationssäle, an die Patienten und Geräte beispielsweise mit Sauerstoff und anderen medizinischen Gasen versorgt werden, und stattet zudem Intensiv- und Anästhesiestationen aus.

„Der tschechische Markt kann ein Unternehmen unserer Größe nicht ernähren, deshalb suchen wir überall auf der Welt nach Chancen“, sagt Marek Matěják, Geschäftsführer von MZ Liberec.

Nach Indien und in weitere Länder Südostasiens liefert auch die Prager Gesellschaft LPP Holding, die dort vor allem im Bereich Radartechnologien und unbemannte Systeme aktiv ist.

„Grundsätzlich konzentrieren wir uns auf Märkte, auf denen Nachfrage nach Spitzentechnologien besteht und zugleich Raum für eine langfristige partnerschaftliche Zusammenarbeit vorhanden ist“, sagt Jan Volšík im Namen des Unternehmens.

Zum guten Ruf Tschechiens in der Welt trägt auch das Unternehmen Cink Hydro – Energy aus Sadov bei Karlsbad bei. Seine Wasserturbinen laufen bereits in mehr als fünfzig Ländern, von denen rund die Hälfte außerhalb Europas liegt – etwa in Chile, Kolumbien, Costa Rica und Nepal, aber auch in Malaysia und Taiwan.

Geduld ist das A und O

Bewundernswert sind diese Geschichten vor allem deshalb, weil es sich nicht um die Art von Geschäft handelt, die wir aus Tschechien kennen – bis ein einziger Auftrag abgeschlossen ist, brennen auf den Geburtstagstorten der Unternehmer oft schon einige Kerzen mehr.

„Eine kürzlich erfolgte Lieferung von vier Maschinensätzen nach Malaysia dauerte sechs Jahre. Das Angebotsverfahren und die Verhandlungen mit dem dortigen Netzbetreiber nahmen rund zwei Jahre in Anspruch, die Fertigung der Maschinensätze ein Jahr, und weitere drei Jahre vergingen mit Genehmigungen und dem eigentlichen Bau der Kraftwerke. Bei Lieferungen auf den japanischen Markt ist der Prozess oft noch länger und für uns zweifellos einer der administrativ aufwendigsten“, schildert Martin Vaidiš von Cink Hydro – Energy.

Ähnliche Erfahrungen hat man auch bei Alba CR gemacht. Bei der Lieferung von Metallbänken für einen Flughafen in Trinidad stellte sich heraus, dass nicht die Logistik die größte Herausforderung war, sondern die schiere Dauer des gesamten Prozesses – der durchaus auch zwei Jahre in Anspruch nehmen kann.

„In dieser Zeit wird die Produktauswahl schrittweise abgestimmt, es geht um Muster, Transport und finanzielle Konditionen. Gerade diese langen und komplexen Verhandlungen sind für solche Projekte typisch und verlangen von allen Seiten Geduld und Flexibilität“, betont den Brinker.

Damit hängt laut Matěják auch die Finanzierung zusammen: Die Länder verfügen meist nicht über eigenes Kapital und brauchen Unterstützung, etwa von einer Exportbank. Auch deshalb ziehen sich die Projekte sehr lange hin, bis überhaupt die Finanzierung geklärt ist.

„In manchen Ländern, etwa in Ägypten, haben wir immer wieder das Problem, dass unser privater Partner keine Devisen beschaffen kann, um unsere Ware in einer vernünftigen Währung zu bezahlen – in Dollar, Pfund oder Euro. Und auch das dauert jedes Mal sehr lange“, sagt Matěják.

Ein Partner vor Ort und das Verständnis für das Umfeld

Der Weg auf solche Märkte ist für die meisten Unternehmen ähnlich. Entscheidend ist, besser zu sein als die Konkurrenz – so abgelegen diese Orte auch sein mögen, die Tschechen sind nicht die Einzigen, die sich für sie interessieren.

„Neben der Bereitstellung sämtlicher Unterlagen müssen wir über eine ausreichende Zahl von Referenzen verfügen und einen Realisierungspreis anbieten, der realistisch, aber zugleich niedrig ist. Schon die Vorbereitung auf die Ausschreibungen kostet viel Energie und Zeit“, sagt Anna Mothejlová von Dekonta.

Im nächsten Schritt gilt es ihr zufolge, das Umfeld zu verstehen, in dem das Projekt umgesetzt wird. Man muss sich an das kulturell-religiöse Umfeld anpassen, die Zusammenarbeit mit lokalen Entscheidungsträgern und Behörden aufbauen und gegebenenfalls auch Mitarbeiter aus der örtlichen Bevölkerung einstellen. Das erfordert laut Mothejlová nicht nur ein durchweg professionelles Auftreten, sondern auch Sprachkenntnisse und Anpassungsfähigkeit.

Auch Matěják hebt die sprachliche und kulturelle Vorbereitung hervor. „In Afrika sind Französisch- und Englischkenntnisse von Vorteil, und in Indien braucht man sehr viel Geduld – alles, was einem dort als beschlossene Sache zugesagt wird, sollte man ‚durch zehn teilen'“, verrät der Geschäftsführer von MZ Liberec.

Lieferungen nach Indien sind dabei alles andere als einfach, vor allem wegen der Notwendigkeit, sich an lokale Anforderungen anzupassen. Eine wichtige Rolle spielt dort die Politik „Make in India“, die auf die Einbindung der heimischen Industrie und lokaler Partner setzt.

„Das kann für viele ausländische Firmen ein Hindernis sein, denn nicht jeder ist bereit, einen Teil der Produktion zu teilen oder sich langfristig am Aufbau lokaler Kooperationen zu beteiligen. Wir hingegen sehen das als unverzichtbaren Bestandteil unserer Tätigkeit auf einem so bedeutenden Markt“, sagt Volšík.

Die Notwendigkeit dessen bestätigt auch Vaidiš. „Einem erfolgreichen Geschäft gehen in der Regel eine Marktanalyse und die Suche nach einem lokalen Partner voraus, der uns mit der dortigen, von unserer meist erheblich abweichenden Gesetzgebung hilft – und vor allem bei den Verhandlungen mit dem Endkunden“, sagt der Vertriebs- und Marketingleiter.

Die Bedingungen unterscheiden sich von Land zu Land, und ohne Präsenz vor Ort oder die Hilfe eines lokalen Partners ist der Eintritt in einen neuen Markt laut Vaidiš eine relativ komplizierte – wenn auch nicht unmögliche – Angelegenheit. Mehr als einmal halfen ihnen daher tschechische Botschaften oder die Exportförderagentur CzechTrade dabei, einen neuen Markt zu „öffnen“.

„Die Quelle unserer Auslandsprojekte sind überwiegend die Tschechische Entwicklungsagentur, die Weltbank und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Dank dieser Organisationen haben wir Projekte in Vietnam, Usbekistan, Kasachstan, der Mongolei und in São Tomé und Príncipe realisiert. Über die NATO haben wir dann beispielsweise Projekte auf den Philippinen und in Libyen umgesetzt“, sagt Mothejlová.

Die Firmen suchen sich ihre Kunden aber auch selbst. MZ Liberec führt etwa regelmäßig weltweite Recherchen durch, aus denen sich Orte ergeben, an denen es sich lohnen könnte, sich zu engagieren und das Geschäft weiterzuentwickeln.

„Meistens machen wir eine ‚Tour‘ durch die jeweilige Region, besuchen vorab ausgewählte potenzielle Partner und suchen jemanden, der uns mit seiner Ortskenntnis hilft, auf dem Markt erfolgreich zu sein. Oder wir nehmen an lokalen Fachmessen teil, um die Bekanntheit der Marke aufzubauen“, sagt Matěják.

Doch auch ihnen helfen Kooperationen. Manchmal knüpfen sie etwa an Projekte gebundener Hilfslieferungen in Entwicklungsländer an, die das Außenministerium in Zusammenarbeit mit dem Verband der Hersteller und Lieferanten von Medizinprodukten organisiert, und manchmal bekommen sie einen guten Tipp von CzechTrade.

„Aber das meiste ist unser purer Hunger nach organischem Wachstum. Es gibt auch Fälle, in denen wir uns um nichts bemühen und dank einer guten Referenz einfach eine Bestellung hereinkommt – etwa aus Neuseeland, wo wir keine einzige Installation haben. Solche Fälle gibt es ebenfalls reichlich, und wir versuchen, daran anzuknüpfen“, erzählt Matěják.

Glanz in Dubai

Auch wenn es sich um eine ganz andere Branche handelt, gilt dasselbe für tschechische Unternehmen, die Luxusprodukte in ferne Regionen liefern wollen – zum Beispiel Preciosa Lighting.

Das Unternehmen hat unter anderem in Singapur Fuß gefasst, wo es bereits eine eigene Vertretung hat, in Japan, wo es ihm sogar gelang, auf der letztjährigen Expo in Osaka vertreten zu sein, und in Katar, wo es eine Niederlassung in der Hauptstadt Doha betreibt.

„Was den Nahen Osten betrifft, haben wir derzeit auch eine große Zahl von Projekten in Oman – zuletzt haben wir dort etwa Lichtinstallationen für das Hotel Muscat Hills, eine neue Moschee und das Sultan Haitham City Experience Center realisiert. Ein interessanter Markt ist für uns auch Saudi-Arabien, wo wir gerade ein Großprojekt für den Wolkenkratzer Kingdom Centre Riyadh abschließen“, sagt Petra Mejzlíková, Marketingdirektorin des Unternehmens.

Im Ausland realisiert das Unternehmen Beleuchtungslösungen für Luxushotels, Residenzen und öffentliche Räume sowie maßgefertigte Leuchten, die eigens für konkrete Interieurs entworfen werden. In ganz Asien und im Nahen Osten liefert es zudem Sonderanfertigungen für Luxusjachten und Kreuzfahrtschiffe.

„Aus Sicht der Logistik und des Projektmanagements sind diese Regionen zweifellos anspruchsvoll – sie unterscheiden sich in Klima, technischen Normen und in der kulturellen Herangehensweise an die Zusammenarbeit. Genau deshalb ist unsere Fähigkeit entscheidend, den gesamten Prozess vom Entwurf über die Fertigung bis zur Installation zu steuern“, merkt Mejzlíková an.

Als großen Vorteil betrachtet sie daher, dass der Großteil der Produktion unter einem Dach im Kristalltal im Norden Tschechiens stattfindet, was dem Unternehmen die volle Kontrolle über Qualität und Termine gibt.

Zugleich verfügt es in Schlüsselregionen wie Singapur oder Katar über lokale Teams und Partner, die eine reibungslose Kommunikation und Umsetzung vor Ort sicherstellen. Dank dieser Erfahrungen empfindet das Unternehmen die Komplexität heute eher als natürlichen Bestandteil globaler Projekte denn als Hindernis.

Auch deshalb sind seine Projekte heute in 136 von 195 Ländern der Welt zu finden. Mejzlíková weist allerdings darauf hin, dass man auf die sich wandelnden Märkte reagieren muss. In der Vergangenheit erlebten Singapur und Hongkong einen großen Boom mit riesigen Aufträgen, heute verlagert sich dies nach Südostasien.

„Derzeit macht der asiatisch-pazifische Markt rund zehn Prozent unserer Aufträge aus; im Vergleich dazu ist der Anteil der Aufträge im Nahen Osten höher und liegt bei etwa dreißig Prozent“, ergänzt die Marketingdirektorin.

In dieser Region ist auch das Unternehmen Lasvit erfolgreich, für das die Vereinigten Arabischen Emirate – und speziell deren bevölkerungsreichste Stadt – zu den Schlüsselterritorien gehören.

„Dubai schafft ein günstiges Geschäftsumfeld, in dem man sich verhältnismäßig leicht zurechtfindet. Unser Büro haben wir hier 2009 eröffnet und konnten in dieser Zeit das Dubaier Wirtschaftswunder miterleben“, erklärt Pavel Krajčík, Geschäftsführer für den Nahen Osten.

Wer will, muss durchhalten

Was diese Unternehmen im Ausland verbindet – ob sie nun Leben retten oder es ästhetisch bereichern –, ist eben die Fähigkeit, sich anzupassen.

„Wir bemühen uns, weltweit möglichst viele Geschäftschancen zu schaffen, immer mit Blick auf vernünftig eingesetzte Kosten. Wo wir erfolgreich sind, versuchen wir, an die Projekte anzuknüpfen und den Markt in die Tiefe zu erschließen. Eines gilt aber immer: Wir müssen uns dem Markt anpassen, sowohl mit unseren Produkten als auch mit unserer Herangehensweise. Apple sind wir noch nicht“, sagt Matěják schmunzelnd.

Wie sich manchmal zeigt, kann eine Lieferung in den Dschungel allerdings einfacher sein als eine durch Tschechien. „Von Anfang an ungewöhnlich war eine Stuhllieferung für ein Weichenstellwerk, die wir für den Staatlichen Fonds für Verkehrsinfrastruktur durchführten. Statt einer klassischen Adresse erhielten wir nämlich nur die GPS-Koordinaten des Zielorts“, erinnert sich Sabina den Brinker.

Die Erklärung war einfach – es handelte sich um ein abgelegenes Stellwerk ohne reguläre Zufahrtsstraße. Damit der Auftrag erfolgreich abgeschlossen werden konnte, musste der Fahrer die Stühle zu Fuß durch den Wald bis zum Bestimmungsort tragen.